unser Grundlagenpapier

Unser Grundlagenpapier stellt unsere grundlegende Haltung dar. Auf der Basis des Grundlagenpapiers entstehen die gemeimsamen Beschlüsse des Kernteams, die immer mit dem Grundlagenpapier vereinbar sind.

Dabei ist die Vision unsere Richtung, die Absicht, die hinter allem steht.

1. Aus Respekt vor allem Leben und allen Erscheinungsformen der Natur gehen wir friedfertig mit der Mitwelt um.

Wir leben Empathie bei jeglicher sozialer Interaktion und im Umgang mit uns selbst. Um dies zu fördern, benutzen wir gemeinschaftlich  Werkzeuge und Wege, die ein hohes Maß an Respekt und Friedfertigkeit begünstigen.

Wir pflegen achtsamen Umgang mit allem, was die Natur hervorbringt. Daraus ergibt sich, dass wir unsere Mitwelt schonend behandeln und im Umgang mit ihr möglichst friedfertig agieren. Wir verpflichten uns dazu, als Individuen und als Gemeinschaft entsprechende Handlungsweisen zu kultivieren. Dies schließt auch unsere Versorgung mit ein, insbesondere mit Lebensmitteln. Ökologische Landwirtschaft ist auf dem Ökodorf-Land selbstverständlich. Tierhaltung und -nutzung ist in dieser Hinsicht ein besonders sensibler Bereich. Neben der Einhaltung geltender Richtlinien und Bestimmungen anerkannter ökologischer Landbau-Verbände, geht es uns generell um einen kooperativen und fürsorglichen Umgang mit Tieren aller Art. Insofern unterstützen wir Versorgungsweisen, die mit wenigen tierischen Produkten auskommen, ohne jedoch im Bereich der persönlichen Versorgung grundsätzlich Einschränkungen vorzugeben. Vielmehr möchten wir freiwilliges ressourcenschonendes Verhalten durch unsere gesamte Dorfkonzeption und spezifische Maßnahmen fördern.

2. Wir erschaffen einen Lebensraum, in dem sich alle im Projekt Beteiligten wohl fühlen und mit vollem Herzen einbringen können.

„Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“ - so behauptet eine gängige Redensart. Sicherlich ist es zutreffend, dass letztlich das Glücksempfinden aus jedem Menschen selbst entspringt. Jedoch gibt es zweifelsohne Faktoren, die Wohlgefühl begünstigen  und andere, die dem entgegenstehen.

Im Ökodorf Gutleben schaffen wir auf allgemeine und individuelle Bedürfnisse angepasste Lebensbedingungen, die es in ihrem Zusammenwirken allen Beteiligten erleichtern, sich  wohlzufühlen. „Glücksforschung“ betrachten wir als Teil unserer gemeinschaftlichen Aufgaben und machen uns solche Erkenntnisse zunutze . Dies findet sowohl auf individueller, gemeinschaftlicher als auch gesellschaftlicher Ebene Anwendung.

Ein allgemein besseres Lebensgefühl steigert die innere Bereitschaft , das eigene Lebensumfeld konstruktiv mitzugestalten. Durch das Ökodorf wird eine hohe Zufriedenheit mit dem eigenen Leben gefördert, so wächst auch der Wunsch, sich mit ganzem Herzen einzubringen.

3. Im Ökodorf  gehen wir auf vielfältigen Ebenen miteinander in Beziehung.

Das ist für uns ein wesentlicher Aspekt von  Gemeinschaft und Gesellschaft. Das konstruktive Miteinander ist uns wichtig. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns aktiv mit Gemeinschaftsbildung und Beziehungsprozessen.

Probleme sind eine Chance zu wachsen: Wir üben uns in Konfliktlösungsmethoden und -strategien, wie systemisches Konsensieren, Forum, Redekreis, Direktdemokratie, uvm.. Dies ermöglicht sozial verträgliche, individuelle Entfaltungsmöglichkeiten in Einklang mit den Bedürfnissen der Gemeinschaft. Sozial heisst Interaktion zwischen Menschen. Gemeinschaft verstehen wir als in "Beziehung sein" und daran gemeinsam zu wachsen.

Unsere Kommunikations-, Organisations- und Entscheidungsstrukturen sind grundsätzlich soziokratisch und emanzipatorisch und fördern dieses Anliegen.

4. Wir legen großen Wert auf genügend Freiräume für individuelle Lebensgestaltung in Balance mit den Belangen der Allgemeinheit.

Die Entfaltung des eigenen Selbst ist uns ein hoher Wert, den wir in vielfältiger Weise fördern. Es ist unser Anliegen, individuelle Bedürfnisse und Wünsche mit denen der Allgemeinheit auszubalancieren. Dabei streben wir Win-Win-Situationen und -Entwicklungen an. Im  Optimalfall   begünstigt  die  individuelle Entfaltung auch das  Gemeinwesen und umgekehrt. Entsprechend gilt dies auch für die gesellschaftliche und sogar globale Ebene. 

5. Es gibt keinerlei Glaubensvorschriften im Projekt. Ebenso gibt es keine Vorgaben für Ernährung und Beziehungsformen.

Uns ist wichtig, dass Glaubensrichtung, die Ernährungweise und die Beziehungsformen frei und individuell wählbar sind. Deshalb lehnen wir dogmatische Auffassungen und Missionierung ab. Wir wünschen uns einen achtsamen Umgang mit den Wahrheiten und Weltsichten anderer Menschen. Wer woran glauben, wie er sich ernähren und welche Beziehungsform er wählen möchte, ist die persönliche Sache einer/s jeden Einzelnen.

6.  Alle Menschen sind für uns gleichwertig und wir tragen Sorge für eine weitgehende Gleichberechtigung.


Die   Gleichwertigkeit   aller   Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrem Alter, ihren geistigen und körperlichen Fähigkeiten und ihren seelischen und körperlichen Erkrankungen und Behinderungen ist für uns eine Selbstverständlichkeit.  Hieraus folgt, dass uns ein gleichberechtigtes Miteinander aller Individuen sehr wichtig ist. Wir sind uns jedoch darüber im Klaren, dass Gleichberechtigung nicht bedeuten kann: Gleiches Recht für alle.


Denn nicht alle haben die gleichen Bedürfnisse, den gleichen Bedarf und die gleichen Maßstäbe. Darum   betonen wir, dass alle Bedürfnisse der einzelnen Menschen gleichwertig nebeneinander stehen und in der Gemeinschaft bestmöglich erfüllt werden.
 
7. Das Projekt führt kein "Inseldasein", sondern ist vielfältig mit dem gesellschaftlichen Umfeld verbunden.


Uns ist wichtig, dass das Ökodorf Gutleben kein nach außen hin geschlossenes System darstellt, sondern   vielfältige und lebendige Verbindungen mit der lokalen, regionalen und globalen Umwelt hat (z.B. Menschen, die sowohl im Projekt als auch außerhalb arbeiten; Tauschbeziehungen mit lokalen Betrieben, Vernetzung mit Projekten weltweit).  Wir unterstützen eine Wirtschaftsweise, die den Menschen, der Region und der gesamten Umwelt dient.
 
Wir glauben, dass die Rückkopplung mit dem gesellschaftlichen Umfeld, der Austausch mit anderen Institutionen, Organisationen und Projekten sowohl nach innen als auch nach außen hin fruchtbar ist, „Impulse in die Welt gibt“ und unsere fortwährende Weiterentwicklung stärkt.